Sonntag, 25. September 2016

[Rezension] Die 33. Hochzeit der Donia Nour - Hazem Ilmi

Die 33. Hochzeit der Donia Nour – Hazem Ilmi
(gebundene Ausgabe, Rezensionsexemplar)



Verlag: atb
Der Inhalt:
Ägypten im Jahr 2048. Etwas völlig Neues ist entstanden:
eine islamistische Diktatur 2.0. Das Gesetz ist die Neo-Sharia, der Markt das Shariatainment. Die Junge Muslima Donia Nour will so schnell wie möglich das Land verlassen. Doch die Grenzen sind dicht. Ihr bleibt kein anderer Weg, als sich für 24-Stunden-Hochzeiten herzugeben, um so die Schlepper zu finanzieren. Am Abend ihrer 33. Hochzeit gerät alles außer Kontrolle, und kurz darauf befindet sie sich inmitten einer Hetzjagd durchs ganze Land.
Lieblingszitat:
„Im Namen Allahs, Sie sind überführt worden. Sie haben das World Wide Web der Kuffar benutzt. Wir wissen, wo Sie sich befinden. Jeder Versuch zu fliehen wird ohne Gerichtsverfahren geahndet. Das Ministerium zur Bekämpfung ausländischer Einflussnahme“
(Die 33. Hochzeit der Donia Nour von Hazem Ilmi, Seite 75)
Das Fazit:
In diesem Buch trifft Science Fiction auf eine Dystopie auf Religion. Das ist – wie ich finde – eine sehr empfindliche Mischung.
Zu Beginn des Buches wird man ohne Vorwarnung ins Ägypten des Jahres 2048 katapultiert, wo man erstmal eine null, bis praktisch null Toleranz Politik kennen lernen darf. Das alles mit den fremdsprachlichen Ausdrücken hat mich doch erstmal etwas überfordert. Da war ich fast froh, als ich im 2. Kapitel ins Ägypten des 20. Jahrhunderts zurück versetzt wurde und Ostaz kennen lernen durfte. Einen etwas rebellischen Philosophen. Ich fand ihn sympathisch und war schockiert als er einfach verschwand. Natürlich fragte ich mich schon wo da der Zusammenhang zwischen Donia und Ostaz bestehen sollte.
Im weiteren fand ich gut, dass man dann doch eine etwas längere Einführungsphase in dem Buch bekommt, um auch wirklich die vielen politischen-unmenschlichen-Feinheiten zu erkennen. Das musste ich erkennen, ist in einem Buch wie diesem auch nötig, um sich auf die Umgebung einlassen zu können. Wenn ich nämlich von Gebetskabinen oder Hinrichtungen lese, ist meine Haltung erstmal nicht unbedingt positiv dem Thema gegenüber.
Als ich mich dann mit der Situation, wie sie in dem Buch beschrieben wird, irgendwie arrangiert hatte, bekam ich bei gewissen „Schlüsselsituationen“ schon eine Ahnung was hinter den Kulissen der Neo-Sharia abging.
Donia Nour hat mir als Protagonistin nicht so gut gefallen. Was nicht an der Glaubwürdigkeit ihrer Handlungen liegt, sondern sie ist mir einfach nicht sympathisch. Ganz anders war es da mit Ostaz. Den fand ich von Anfang an Klasse. Dieser ist, wenn er einmal aufgewärmt ist nicht mehr zu stoppen. Hat mich total begeistert. Generell waren seine Argumentationsketten immer sehr schlüssig, ich wurde von seiner Art zu reden immer total mitgerissen.
Die Wertung:
Abschließend kann ich sagen, dass mir die Grundgeschichte des Buches gefallen hat. Auch die handelnden Personen fand ich interessant und machten die Story lebendig und beängstigend glaubwürdig. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mal so richtig Lust auf eine Dystopie hat, die einen bitteren Nachgeschmack hat. Das gibt 4 von 5 Punkten.
(25.09.2016)

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